Kurze Wege  

   

Exkursion DE – 3 am 24.9.2009

An einem der letzten Maitage, das Wetter war schon sommerlich, bog ein zurückgeschlagener Landauer vom Spittelmarkt her in die Kur- und dann in die Adlerstraße ein und hielt gleich danach vor einem trotz seiner Front von nur fünf Fenstern ziemlich ansehnlichen, im Übrigen aber altmodischen Hause, dem ein neuer, gelbbrauner Ölfarbenanstrich wohl etwas mehr Sauberkeit, aber keine Spur von gesteigerter Schönheit gegeben hatte, benahe das Gegenteil.
(Einleitung aus Frau Jenny Treibel von Theodor Fontane)

Eine Stadterkundung in Berlin- Mitte: Vom Spittelmarkt auf die Fischerinsel

(Alt-Cölln) ins Nikolaiviertel ( Berlin) 

Treffpunkt: U- Bf. Spittelmarkt ( U2)

SPITTELMARKT: von „Spital“ ( Hospital), früheres St. Gertrauden- Krankenhaus

 

 

 

Vom Bahnsteig aus : Historische Großfotos aus den 1880er Jahren, insbesondere von der Friedrichsgracht und der Jungfernbrücke

 

Östlicher Ausgang: über die Grünbrücke ein Zugang zur Fischerinsel entlang des Kanals

 

 

Alte Gertraudenbrücke

 

neben der neuzeitlichen Betonbrücke nur noch für Fußgänger

Heilige Gertraude des Berliner Bildhauers Rudolf Siemering (1895), Schutzheilige von Haus und Hof und der Wanderer

Symbole: Garnspindel, Gans, Trinkbecher für den Wandersmann; Mäuse und Ratten rennen vor ihr weg; Seuchen werden besiegt, die Ernte geschützt

Die Bronzeplastik wurde vor dem Einschmelzen gerettet, weil sie ein Bronzegießer versteckt hielt. 1954 restauriert und wieder aufgestellt.

Friedrichsgracht und Jungfernbrücke: ein Blick von der Brücke nach Norden

     

 

Der Kanal ( Gracht) :

nach dem 30-Jährigen-Krieg unter dem Großen Kurfürsten von holländischen Arbeitern und Siedlern erbaut

25 Jahre lang (1685-1683) wurde an einem Festungsgürtel rund um die Doppelstadt Berlin-Cölln gearbeitet

finanziert durch eine Verbrauchssteuer auf Bier, Wein, etc. für alle (!) Stände

1701 entsteht die barocke Residenzstadt Berlin als Zusammenschluss aus:

Berlin ( im Kern das Nikolaiviertel: Nikolaikirche und Marienkirche)

 

Cölln  (Fischerinsel mit der Petrikirche und Brüdergasse)

 

Friedrichswerder (westlich mit dem Werderschen Markt und Kirche)

Friedrichsstadt (rund um den Gendarmenmarkt und südlich von „Unter den Linden“)

Dorotheenstadt (nördlich von „Unter den Linden“ bis zur Spree)

 

 

 

 Die Friedrichsgracht

 

Im Hintergrund die Jungfernbrücke und das Außenministerium

Entlang der Friedrichsgracht führt unser Weg über die Sperlingsgasse in die

 

Brüdergasse   

das „Galgenhaus“ in der Brüdergasse 10

 

 

1688 errichtet besitzt klassizistische Fassade von 1805

   wieder aufgebaut nach dem Krieg inmitten von DDR-Plattenbauten           

 das „Nikolaihaus“ in der Brüdergasse 13

 

 

 1670 errichtet: Barockfassade

 seit 1787 im Besitz von Friedrich Nikolai (Verlagsbuchhändler, Schriftsteller und Philosoph)

 geistiger Treffpunkt der Aufklärung und Romantik

 von 1910 bis 1936 (Nazis!) befand sich im 1. Stock ein Lessing-   Museum

Wiederaufbau 1977/1979

ab 2010 Sitz des Suhrkamp-Verlags (früher Frankfurt am Main)

 

Der Hauptarm der Spree

Blick von der Mühlendammbrücke nach Norden auf den Berliner Dom

Am linken Bildrand die Fischerinsel (Alt-Cölln)

Am rechten Bildrand das Nikolaiviertel (Alt-Berlin)

    

 

 

das „Knoblauchhaus“ im Nikolaiviertel

 

 

befindet sich in der Poststraße 23 neben der Nikolaikirche

ältestes, noch erhaltenes Wohnhaus im Nikolaiviertel

barocker Putzbau

dreigeschossig

 

1759/1761 erbaut vom Nadlermeister Johann Christian Knoblauch

umgebaut 1835 im Berliner Frühklassizismus

Familie Knoblauch: alte Berliner Bürgerfamilie, waren über 170 Jahre

Bewohner des Hauses (bis 1928)

bekanntes Familienmitglied: Architekt Eduard Knoblauch, erbaute u.a. die Neue Synagoge (Oranienburger Straße) und war Gründer des Berliner Architektenvereins

Knoblauchhaus heute: Museum mit Familienbildern aus dem 18./19. Jh., die Welt des Biedermeier (1. Hälfte des 19. Jahrhunderts       

die „Nikolaikirche“

 

das „Ephraim-Palais“ am Mühlendamm/Poststraße

 Barock/Rokoko-Fassade

  1762/1765 erbaut worden für den Hofjuwelier Veitel Heine    Ephraim (Münzpächter von König Friedrich II.) als Palais, zuvor  eine Apotheke

 ab 1843 im Besitz des preußischen Staats

 ab 1880 eine Bank

 1935/1936 bei der Erweiterung des Mühlendamms abgetragen (ca. 2500 Fassadenteile wurden nummeriert und eingelagert)

 Originalkonstruktion 1983/1987 befand sich nur wenige Meter      vom ursprünglichem Standort

 im 2. Stock: Rekonstruktion einer Schlüter-Decke

 heute: Museum für wechselnde Ausstellungen der Moderne

   
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