Kurze Wege  

   

Was für ein Theater – Lessingabend an der HES

Theater- Viele Schüler bekommen bei diesem Wort einen Schreck, es kommen Assoziationen auf wie veraltete Themen, unverständliche Sprache und daraus resultierend natürlich Langeweile. Dass dies nicht immer der Fall sein muss, bewies der Lessingabend am Hermann-Ehlers-Gymnasium.

Genau genommen war der 14.01.2009 für uns Schüler der HES kein Theaterabend, sondern wir bekamen die Chance, uns zum größten Teil erstmals eine szenische Lesung anschauen zu können, die darüber hinaus zur Vertiefung des Deutschunterrichts der Oberstufe führen sollte.

Das Trio „gutvorgelesen“, bestehend aus den zwei Schauspielern Christine Per und Gregor Höppner, der übrigens ein ehemaliger Schüler unserer Schule ist, und der Musikerin Antje von Wrochem, beschäftigt sich mit klassischen Schriftstellern, ihren Werken und Lebenssituationen und stellt diese in ihren Vorstellungen plastisch dar.

Der 14.01.2009 sollte also für viele von uns eine neue Erfahrung werden und uns darüber hinaus noch für unsere Abiturprüfungen stärken. Ein sicherlich gut gemeinter Vorschlag, aber würde es wirklich gelingen, uns doch eher theaterfaulen Schülern das Theater schmackhafter zu machen und uns die Situation Lessings, der vor Hunderten von Jahren unter ganz anderen Bedingungen lebte, näher zu bringen?

Um 19:30 Uhr war es so weit: Die Lesung begann. Wir Schüler saßen in der Aula und waren gespannt, wie sich der Abend entwickeln würde. Viele von uns brauchten einige Minuten, um in die Lesung „einzutauchen“, zumal es für die meisten die erste szenische Lesung war, die sie je besucht hatten. Nach kurzer Zeit jedoch konnte man der Umsetzung des Trios folgen, welche trotz Ablesen des Textes erstaunlich lebendig und realitätsnah wirkte.

Die Schauspieler, treffend begleitet durch Musik, stellten wichtige Stationen aus Lessings drei Werken „Emila Galotti“, „Minna von Barnhelm“ und „Nathan der Weise“ dar und zeigten zugleich Überschneidungen zwischen Lessings privatem Leben und dem Inhalt seiner Werke. So aufmerksam wie an diesem Abend hatte ich uns Schüler als Publikum noch nie erlebt, was sicherlich mit der Komik der Vorstellung zu tun hatte. Besonders Szenen aus der Komödie „Minna von Barnhelm“ riefen laute Lacher hervor, obwohl die meisten gerade dieses Werk im Unterricht gar nicht behandelt hatten.

Die gelungene Mischung aus Humor, Schauspieltalent und dem richtigen Gespür für die Umsetzung hatte einen Theaterabend zur Folge, den im Nachhinein annähernd alle Schüler positiv bewerteten. Die große Parallelität zwischen Lessings Privatleben und dem Inhalt seiner Werke wurde ausführlich und leicht nachvollziehbar dargestellt und war keinesfalls langweilig, was auch an der Aktualität der Themen liegt. Lessings zum Teil sehr umständliches Wesen wurde mit viel Witz und Charme dargestellt, ebenfalls die Charaktere seiner Werke, was uns sicherlich in Zukunft dazu bringt, positiver an klassische Literatur heranzugehen.

Der Lessingabend endete mit der Ringparabel aus dem Werk „Nathan der Weise“, die mit der Frage nach der „richtigen“ Religion zum Nachdenken anregt und bis zum heutigen Tage nichts an Aktualität verloren hat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Lessingabend an der HES ein voller Erfolg war, der uns Schülern zum einen dem Theater wieder näher gebracht und zum anderen unseren Unterrichtsstoff vertieft hat. Unsere Schule sollte sich weiter dafür einsetzen, solch spannende und unterrichtsstützende Veranstaltungen in Zukunft Tradition werden zu lassen.

Weblink: www.gutvorgelesen.de

Text: Jessica Schlüter, 18.01.2009

   
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