Kurze Wege  

   

 

Impressionen der Podiumsdiskussion

Als Feedback der diesjährigen Podiumsdiskussion zur Bundestagswahl bekam man von der Schülerschaft überwiegend Beschreibungen wie „ es war öde'' und „das übliche Bla-Bla“ zu hören. Doch für manche Politik- Junkies war es eine gute Gelegenheit, die Vertreter der einzelnen Parteien kennen zu lernen, um anschließend seine Entscheidung für die bevorstehende Wahl zu festigen oder nochmal zu überdenken. Unsere Schule, die einst mit vielen JU-Mitgliedern gefüllt war, wird allmählich linker. Eine Art rebellisch, obwohl man dies auch als kritisch bezeichnen könnte. Nun kamen Politiker wie Herr Wellmann von der CDU und Herr Breidenbach von der FDP, die Konservativen. Manch einer sah das als Chance, sich über all die Dinge auszulassen, die „Die da Oben“ angerichtet haben oder es noch tun wollen. Also gingen die kritischen Fragen überwiegend an die beiden Herren. Obwohl man sagen muss, dass die beiden sich sowieso am meisten angesprochen gefühlt haben. Ob die Frage nun ihrer Partei kritisch gegenüberstand oder nicht. Herr Wellmann, der sich als charismatischer Rhetoriker bewies, bewies ebenfalls seine Leidenschaft, im Mittelpunkt zu stehen. Das zeigte sich in Charakterschwächen, wie z.B. Überheblichkeit. Z.B. spielte er einfach mit seinem Handy, womöglich um seinen Mitstreitern nicht zuhören zu müssen. Wenn er das nicht tat, brachte er die Konkurrenz mit Unterbrechungen aus dem Konzept. Herr Breidenbach erschien den meisten als unvorbereitet und generell nicht fähig für seinen Beruf. Er konnte sich und seine Meinung in keiner Weise gut verkaufen und ihm ist es ebenfalls misslungen, passende Formulierungen zu finden.

Der „Rapper“ der Podiumsdiskussion war Benedikt Lux, Vertreter der Grünen. Manche meinten: das Einzige, was er kann, ist gut aussehen. Doch nicht alle waren dieser Meinung. Man kann ihn als Rapper der Politik bezeichnen, weil er alles gekontert hat, was nur gekontert werden konnte. Dazu zählten hauptsächlich die Statements von Herrn Wellmann. Positiv war, dass Herr Lux einer der wenigen war, der sich beim Reden an unser Zeitlimit gehalten hat. Er ging auch gezielt an die Antwort unserer Fragen heran und repräsentierte seine Partei so gut er konnte. Und der linken Welle im Saal hat seine freche Art gegenüber der CDU natürlich gefallen. Als es zum Thema Mondfahrt kam, meinte er: „Sucht die Union da nach intelligentem Leben, weil sie selbst keins mehr hat oder was?“ Das war natürlich ein höchst amüsanter Kommentar, über den noch häufig gelacht wird. Herr Ostertag kam als Stereotyp seiner Partei in rotem Hemd. Sein freundliches Lächeln und der freundliche Umgang mit seinen Mitstreitern ließ ihn sehr locker wirken. Er zeigte sich professionell und konnte im Gegensatz zu Herrn Wellmann konkret auf die Fragen des Podiums eingehen. Er war auch der einzige mit Herrn Lux, der sich während der ganzen Diskussion Notizen gemacht hat! Er, als Schauspieler, hat gezeigt, dass man nicht Jurist sein muss, um sich politisch zu engagieren. Ganz im Gegenteil zu Herrn Benneter, der Vertreter der SPD, der eher als Karrierist rüberkam und nicht als jemand, der mit Herz etwas verändern will. Mir kam es so vor, als hätte ihn keiner so wirklich beachtet, da er fast dasselbe von sich gegeben hat wie Herr Wellmann, nur nicht so schön verpackt und mit ständigen Wiederholungen.

Persönlich finde ich, dass die Podiumsdiskussion eine gelungene Veranstaltung war. Ich denke, es war eine gute Möglichkeit, sich noch einmal gründlich Gedanken über die bevorstehende Wahl zu machen. Herr Lux und Herr Ostertag blieben noch nach der Veranstaltung, sodass manch einer noch persönlich auf sie zugehen konnte. Ansonsten konnte man doch einige Kontraste erkennen. Herr Lux zeigte klare Unterschiede zwischen seiner Partei und den anderen. Herr Wellmann konnte sich, trotz scharfer Kritik und forschen Fragen, am Besten präsentieren und kam (als Ältester in der Runde) auch am erfahrendsten rüber. Herr Ostertag gab einem zu verstehen, dass man Politik auch locker angehen kann. Zudem zog er Parallelen zwischen den Linken und der Piraten-Partei, worauf viele Zuschauer im Saal applaudierten, was Zeichen für großes Interesse an Freiheit und Privatsphäre widerspiegelte und auch ein Anstoß für den ein oder anderen war, Herrn Ostertag als Direktkandidaten zu wählen. Herr Benneter war für mich persönlich keine gute Vertretung seiner Partei, aber hier ging es ja um die Direktkandidaten. Es wäre besser gewesen, wenn er seine Partei klar von der CDU abgegrenzt hätte. In diesem Fall ging er nicht genau auf eine Frage ein und konnte auch bei mir keinen guten Eindruck schinden. Herr Breidenbach hat mich, wie alle seine Parteikollegen, mit unkonkreten Statements und einer Art Gleichgültigkeit enttäuscht. Ich denke, dass Herr Ostertag diese Veranstaltung am ernsten genommen hat, was zwar gut ist, für mich aber überraschend war, da doch gerade Herr Bennetter und Herr Wellmann so gerne den Wahlkreis gewinnen wollten.

 

von Anna-Katarina Noryskiewicz, Klasse 13

 

 

   
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